Texte aus dem Alltag.
Wenn die Melancholie dich zudeckt, mit Bleihgewichten
aus Erdbeer(e)n und Zitronen...
Hunderte Kilometer unterwegs…
Der Horizont verschwimmt mit der Sonne
Mittendrin belegte Brote, lauwarmer Kaffee
und Schokoriegel an der Raststätte
Novomatic Automaten und Greifarme…
Fließendes Wasser im Klo
Fließendes Wasser im Klo…
Wilde Wege über Stock und Stein
Weite Sicht ins Nirgendwo
Kein Strom, kein Wasser, kein Nichts
Kein Nichts um was zu finden?
Große Fläche im schönsten Land…
… unbezahlbar
… bezahlbar?
Dosenbier und Diskussionen hier…
Rechte Hetzte und Champagner dort…
Friedvolle Punks fegen den Vorplatz…
Jugendliche Richkids kehren sich einen Dreck
#Westerland
Weite Bordsteinplatten aus grauem Beton
Stromkabel baumeln am Himmel
Mülltonnen voller Leben
Luft duftet nach Aufbruch
Berühmte Hot Dogs an jeder Ecke
Heißer Kaffee in jedem Becher
Hippe Menschen tauchen auf
Andere Menschen tauchen ab…
#NewYork
Sichtweisen im Leben.
Aufbruch durch Begegnung....
Türschilder aus Salzteig
Kitschig krumm und schief
Lebensweisheiten an der Tapete
Kaffeevollautomaten ohne Geschmack
Weisheiten im Cappuccino-Pulver
Süßstoff im XXL Pack
Löffel für Löffel
Schluck für Schluck…
Unruhiges hin und her Minuten vorher…
Gedrängel im Eingangsbereich
Sitzplatz direkt am Fenster
Musik an. Kopf aus.
Endloser Blick in die richtige Richtung
Noch eine Station
Noch eine Station….
Butscherhose
Nieselregen…
Badewanne
Butterbrote…
Bademantel
Menschlichkeit….
Zwei sprudelnde Gläser auf dem Tisch
blubbern und warten vor sich hin…
Auf den ersten Schluck entfernte Sichtweisen
tauschen sich kontrovers aus…
Auf der einen Seite hier und da…
gegenüber sitzend ganz woanders
Die Kehle trocknet mehr und mehr
und schreit durstig nach mehr…
Kolumne: Willkommen im Alltag…
# Die Bank am "Mehr"
In unserer deutschen ab und an herrlich doppeldeutiger Sprache hat das Wort “Bank” ja bekanntlich mehrere Bedeutungen. Zum einen ist es ein Ort an dem man (sein) Geld mehr oder weniger sinnvoll oder sinnlos anlegen kann oder sich selbiges teuer leihen kann… und zum anderen steht das Wort für ein Möbelstück, um eben nicht mehr die ganze Zeit rumstehen zu müssen. Eine Möglichkeit halt, Platz zu nehmen.
Ein Ort, um "zur Ruhe zu kommen”. Um sich “auszuruhen” vom Alltag. Ein Ort an dem man entweder alleine seine eigenen Gedanken ordnen kann oder zum Beispiel (es gibt sicher noch tausend weitere schöne Nutzungszwecke) ein Gespräch mit einer anderen Person führen kann. Mehr braucht es dazu nicht. Ein einfaches Möbelstück aus Holz, Stahl oder aus welchem Material (recyceltem Plastik wäre doch mal was) auch immer. Die Geschichten, die dort Platz genommen haben, haben sicher millionenfach mehr Jahresringe als das Holz, aus dem es (die Bank) geschnitzt wurde, jemals hätte haben können.
Im Park (oder halt zum Beispiel am Meer) bietet die Bank eben mehr als nur die Option “Platz zu nehmen”. Sie bietet Raum für Neues. Raum zum Zuhören. Ob Freunden oder Fremden (die vielleicht zu Freunden werden könnten?) bietet das nebeneinander sitzen die Chance, sich gegenseitig zuzuhören. In der Mittagspause beim Pausenbrot oder der Quinoa-Bowl mit Granatäpfeln und Feigendatteldressing, hört der eine dem anderen Menschen einfach mal zu. Wer tut das denn heute noch wirklich? Der Person mal fünf (fünfzich wären zwar besser, aber kleine Schritte und so…machen auch Mist) Minuten zuhören. “Gehör schenken”. Irgendwie machen bzw. ergeben die beiden Wörter, jetzt wo ich sie so schreibe, auf einmal und zum ersten Mal so richtig Sinn.
Absolut keinen Sinn macht dann umso mehr (bzw. eigentlich weniger), dass es im öffentlichen Raum und hier vor allem in den Bereichen, wo Bänke vermehrt zum Ausruhen genutzt werden (dafür wurden sie ja wahrscheinlich mal erfunden, oder?!?) immer weniger vorhanden sind. Wird die Einsamkeit der Menschen immer größer, werden die Sitzmöglichkeiten (Bänke, Stühle, usw.) immer weniger. Warum ist das so? Warum wird Architektur “defensiv” und lässt Menschen “depressiv” zurück? Wem ist damit geholfen? Dem Staat? Oder der Bank? “Der sicheren Bank”. Auf diese Steine können Sie bauen”? Das Thema hatten wir ja früher schon einmal hier in der Kolumne…
Gäbe es doch nur eine Bank hier in der Nähe, wo ich diese Geschichte einer anderen Person erzählen könnte. Vielleicht würde es ja jmd. interessieren und gemeinsam könnten wir uns gemeinsam eine Zeit lang ausruhen. Und ganz vielleicht tauschen wir ja sogar unsere Pausenbrote…wie damals…
Kolumne: Willkommen im Alltag…
# Das letzte Abendbrot
Über hochklassige (und sicher auch sehr hochpreisige) Kunstwerke soll es hier nun eigentlich nicht gehen. Das letzte Abendmahl vom berühmten Leonardo da Vinci handelt vom letzten gemeinsamen Abendbrot von Jesus und seinen Jüngern. Brot und Wein sind im Grunde aber die einzigen Parallelen dieses Textes, die etwas mit diesem 422 cm mal 904 cm großen Gemälde zu tun haben.
Brot und Wein kaufen wir dann ja alle irgendwann mal im nächstgelegenen Supermarkt ein. Je nach Lidl, Rewe oder Penny kostet ein leckerer (jaja, über Geschmack lässt sich…) Rotwein da schon mal 2,49€. Für alle, die bei Rotwein unter 5,00€ schon direkt weiterblättern wollen, bitte nehmen Sie meine nicht vorhandenen Sommelier-Kenntnisse nicht zu ernst. Genauso wie bei der Auswahl von Mehrkornbrötchen, Sesambrötchen, Semmeln, Laugenstangen, Croissants oder Aufbackbrötchen aus der Alu-Dose. Geschmäcker sind verschieden. Knack und Back. Oder?
Stundenlange Diskussionen über selbigen (Geschmack halt) machen dann ja ab und an doch immer mal wieder Spaß. Allzu ernst sollte man das dann ja bitte nur nicht nehmen. Für manche scheint ein köstlich zubereitetes Eisbein genauso verlockend zu sein wie für andere die hier schon oft beschriebene Quinoa Bowl vom angesagten Laden um die Ecke. Wie genau der nun heißt spielt ja auch wirklich keine Rolle. Falafel-Rolle zum Beispiel wäre dann eher so meins. Heimlich hoffe ich natürlich, dass nicht wirklich noch jemand das angebliche Lieblingsgericht (Eisbein…) von Immanuel Kant ver(z)ehrt!
In der Mittagspause werden heute ja eher schnelle Gerichte nebenbei verschlungen, um ja keine Zeit am Arbeitsplatz zu verbringen. Manchmal sind 15 Minuten für die Box-to-Go dann halt gerade noch drin. Abends werden dann die vor der Tür wartenden Pakete von „Hello Fresh“ gekocht und immerhin (hoffentlich) gemeinsam am Esstisch verzehrt. „Darf ich aufstehen“ könnte zwar auch heute noch von mir kommen, erinnert mich aber dann doch an die Kindheit, wo es sich für mich unerträglich anfühlte auch nur 5 Sekunden länger am Tisch sitzen bleiben zu müssen. Jetzt wiederum überlege ich gerade, wann ich mein letztes richtiges Abendmahl hatte. Für mich jedenfalls war das dann das klassische Abendbrot mit einer tollen Auswahl an Käse, Wurst (gibt es heute ja auch geschmacklich ganz okay in vegetarischer Form), Aufstrichen, eingelegten Gurken, gekochten Eiern, und vielen anderen tollen Dingen. Obwohl das ganze wahrscheinlich ganz langweilig und ohne großartige Romantik auf den Tisch gestellt wurde, fühlte bzw. fühlt es sich heute immer noch wie ein großes Ereignis an. Wie ein kleines bzw. großes Gemälde halt.
Beim nächsten Gespräch mit meiner Mutter frage ich mal nach, wieviel Sekunden ich da damals wirklich sitzen bleiben konnte… und freue mich aufs gemeinsame Abendbrot. Dann aber mit viel mehr Zeit und Sitzfleisch im Gepäck. Denn eigentlich sollte uns allen besser heute als morgen bewusstwerden, dass es im Grunde egal ist, wie teuer nun am Ende die Bio-Salami im Supermarkt ist. Kostbarer und wertvoller ist und bleibt die gemeinsame Zeit am Küchentisch.